La Gomera

uff. Nachdem der blog verreckt war weil irgendeine Einstellung nach irgendeinem update verrutschte, hatte ich schon keinen Bock mehr. Ewiges herumsuchen im Netz nach der Fehlerquelle, seitenlange Codes von denen ich nur Bahnhof verstehe, irgendeiner empfiehlt dann die Datei xy zu löschen. Das ganze Ding besteht mittlerweile aus 35.000 einzelnen Dateien, fragt mich nicht, und ich soll davon eine löschen? Also die xy-hc.dingsbums, die genau wozu nochmal da ist? But what have I got to lose? Also weg damit und – voilá, mit Zauberkräften war alles wieder da, ich konnte mich einloggen und werde neue Fotos posten, damit die net nur auf meiner Festplatte vergammeln.

Und die Gedanken nicht im Gehirn vergammeln. Warum schreibt einer ins Nirvana des Netzes, was kaum jemand je lesen wird? Vielleicht werden eines Tages die aliens auf den menschenleeren Planeten kommen, in irgendeinem Bunker einen Server reaktivieren und herausfinden wollen, was einst die intelligentesten der Bewohner so bewegt hat, wie sie lebten, was sie taten. Vielleicht werden sie Pornhub reaktivieren können, Twitter und diese Seite. Ein seltsames Paarungsverhalten hatte er, der Mensch, kein Wunder, dass er ausstarb und er mochte sich selbst nicht besonders aber er hat die Schönheit dieser so unterschiedlichen Oberfläche geschätzt und bewundert. Dann werden die aliens in ihr Raumschiff steigen, einmal rund um den Erdball fliegen und denken, nu ja, schön ist es immer noch hier und den Mensch, den hat’s ja nicht wirklich gebraucht.

Ich mache sozusagen Fotos für die aliens.

Also jetzt kommt was von La Gomera, falls es noch nicht klar ist.

Aber vorher erzähl i noch a kloane G´schicht´.

Ein Sommer, in dem man echt lange frei hat, ist eine Seltenheit. Normalerweise haut man dann sofort ab. Zumal die Deutschen das Pariser Klimaziel im vorauseilenden Gehorsam (Jawoll, mein Führer!) schon übererfüllt haben und wir mittlerweile einen Schnitt von 19 fucking Grad haben. No thanks, not for me. Raus aus der Corona Depri, raus aus dem Land.

Also wohin?

Der Norden fällt aus, eh scho kloar, SO Asien fällt aus. In Myanmar schießt die Regierung auf die Bevölkerung, Vietnam hat zur guten alten Kommie-Abschottung zurückgefunden, Thailand nutzt den Virus um seine Militärdiktatur auszubauen. Es regt sich mutiger Widerstand https://www.youtube.com/watch?v=T3ueqEZmSjk aber die Vorstellung, nach 2 Wochen Quarantäne in Bangkok auf einer Demo von den Bullen verhaftet zu werden, ist jetzt auch net die eines entspannten Urlaubs.

Zu Afrika hab ich keinen Bezug, im Norden gibt’s kein Bier und man kann die Frauen nicht angucken, der Süden ist auf dem Weg zu uns, hat man demnächst in jeder europäischen Großstadt.

Also Südamerika? Ecuador wollte ich gerne mal sehen, nur spinnen die derzeit mit Masken und Tests, brauch ich net. Mexiko wäre eine Möglichkeit. Relativ entspannter Covid Umgang, im Süden ist die Chance als Tourist nicht erschossen zu werden recht hoch, also mal buchen. Fast. Hab mir schon ein Resort in der Karibik ausgeguckt, da schreibt einer in der Bewertung was von Algen. Algen? WTF? Ein kurzer check bestätigt, dass dieses Jahr in Südmexiko eine enorme Algenplage herrscht. Alle Strände sind komplett damit versaut. Ne sorry Leut, ich fliege nicht in die Karibik um dann an einem vergammelten beach teures Corona zu saufen.

Firstworldcoronadepressionidiocracyluxusproblems

Bleibt also doch nur Europa. Der Süden. Am besten was mit Spanisch, das lerne ich gerade. Warm soll es sein, safe. Also wieder mal die Kanaren, die bin ich zwar schon hoch und runter geklappert aber sie sind halt auch schön. Also die Inseln, wo man sich vor dem Massentourismus verziehen kann. Auf La Gomera war ich lange nicht. Ist recht stressig dahin zu kommen + lausige Strände = wenig Touristenvolk. Wa sagt der ADAC? Keine Tests erforderlich. Check! Gebucht. Fast.

Bei Flugbuchung No1 mach ich nen Anfängerfehler als wäre das mein erster Kontakt mit dem Internet. Gut, die Kohle dürfen die eigentlich dann nicht einziehen, haben se trotzdem gemacht. Jetzt krieg die mal wieder. FAAAHAACK! Also Flug No 2 gebucht, diesmal alles richtig gemacht. Fein. Jetzt das Auto mieten. Wie bitte? 800 Euro für 11 Tage? Wasndas? Das letzte mal hab ich 200 bezahlt. Ich bin doch kein Gesundheitsminister und somit Millionär, muss alles halbwegs im budget bleiben. Kurze Recherche ergibt, dass aufgrund der diversen lockdowns und damit ausbleibender Kundschaft überall das Mietwagenangebot reduziert wurde. Auf den Kanaren von 80.000 auf 20.000. Hunderte verloren ihre Jobs (in der agency auf La Gomera, wo ich mietete, ist noch eine von 3 übrig). Jetzt geht wieder bissl was mit Tourismus und man schlägt sich um die paar verbliebenen Karren. Alles abblasen? Nee, come on! Also in den sauren Apfel beißen, wer weiß ob man bald überhaupt noch weg kann, und ein Auto gebucht, wenigstens net ganz für 800. Die Bestätigung kommt, fein, alles richtig gemacht zur Abwechslung. Die agency schließt aber um 17.00 steht da. Hm. Ich komme aber erst gegen 20.00 Uh an. Und nun? Bei der Tel Nr von Avis geht keiner ran, hamse wohl auch gestrichen. Erstaunlicherweise hat das Portal, wo ich mietete eine Nummer mit jemandem, der drangeht und sich echt bemüht. Ein Wunder! Man könnte umbuchen auf einen Tag später, kostet aber 180 Euro. Joh, net so die tolle Lösung. Man könnte aber noch canceln und einfach für den nächsten Tag neu buchen. Kost nix. Machen wir mal und hoffen, dass es kost nix. Also neu gebucht, immerhin einen Tag gespart, eine Nacht in einem Hafenhotel , damit ich morgens zur agency laufen kann. Noch für die ersten Tage ne Unterkunft über airbnb und gut ist.

Fast. Muss ja noch zum Flughafen morgen. Kein Problem, einfach mit dem Zug fahren. Geht nicht, die Bahn streikt. Warum zum Teufel ausgerechnet morgen? Alle Busse und Mitfahrgelegenheiten ausgebucht. Wer kann mich am Montag morgen zum Flughafen fahren? Alles schreit: hier!

Dank eines smarten Teenies dann aber auch dieses Problem gelöst und so 2,5 Stunden vor Abflug am airport eingetroffen. Perfekt. Fast. Die Schlange am Condor Schalter geht bis Timbuktu, das schaff ich nie. Was ist denn da los. Corona. Ja und? Impfung bzw. Tests checken. Test? Klar, brauchen Sie. Ich diskutiere jetzt nicht über die ADAC Infos sondern frage, woher ich das Scheiß Ding auf die Schnelle bekomme. Gibt ein Test Center in der Halle. Also nix wie hin. Fluchende Menschen in der Schlange. Hilft nix, anstehen und hoffen. Und hoffen und hoffen. Ich bin dran. Registrierung, QR code, Bestätigung per email, Handy und Laptop über Koffer gewurschtelt, bezahlt, registriert, Röhrchen in die Nase gebohrt. Wann kommt das Ergebnis? Bekommen Sie per mail link. Zurück zum Schalter gerannt. Ich fliege in 50 Min nach Teneriffa, kann mich da net anstellen. Alles klar, kommen sie vor. Haben Sie das Testergebnis. Äh, moment, ah, da kommt die mail, Laptop hingestreckt, akzeptiert, fein. Fast. Haben Sie die Bestätigung der spanischen Regierung? Hab ich nicht, wollte ich machen, die wollen die Sitznummer im Flugzeug, die hatte ich ja bisher nicht. Ok, jetzt haben Sie die. Laptop noch mal rausgekramt, die online Registrierung fertig gemacht, auf die Bestätigung der Spanier warten, die kommt aber fast sofort. Die Leute hinter mir hassen mich. AH! Da ist der QR Code der Spanier, darf ich nun in den Flieger? Kein Problem, guten Flug, gehense bitte sofort zum Boarding. Joh, der Koffer ist schon weg, die müssen mich mitnehmen, also noch ne schnelle Kippe, dann Anstehen zum Filzen, thanks to 9-11, dann zum Flieger. Da stehense noch in der Schlange, man wird in den Bus gequetscht, soviel zu 1 Meter Fuffzich Abstand, das Flugzeug ist gerappelt voll, die Maske pro forma so aufgesetzt dass es gut aussieht und ich für 4 einhalb Stunden trotzdem Luft kriege. Etwas verspätet hebt die Boing ab.

Uff.

Gelandet in Teneriffa, Tests und Codes vorzeigen, Koffer holen, mit dem Bus nach Los Americanos. Sightseeing erspare ich mir. Jesses, die fahren da wirklich im offenen Bus durch die Betonlandschaft. Runter zum Strand gelatscht, Dose Bier aus nem indischen Souveniershop, hingesetzt, ausgetrunken, Luft holen, zum Glück bleib ich dort nicht, zum Hafen rüber, die Fähre kommt.

Schon besser. Welcome to the capital of La Gomera: San Sebastian
Zur Begrüßung das übliche Bild, das ich in den letzten Jahren in jedem kanarischen Hafen sah. Sie werden aufgenommen, aufs Festland verschippert, dann verteilen sie sich in die europäischen Großstädte. Nun ja, in manche davon.
Unsere Medien zeigen immer Frauen und Kinder, ich habe nie welche gesehen. In Afrika kommen jedes Jahr 200 Millionen Menschen zur Gesamtbevölkerung dazu. 1950 lebten 230 Mio auf dem Kontinent. Heute sind es 1,3 Milliarden. Die UN rechnet bis Ende des Jahrhunderts mit einer Bevölkerung von 4,5 Milliarden. (Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung BIB)

Ja, die Welt ist nicht gerecht. War sie nie. Ist mir egal, bin Egoist. Wie alle anderen der 8 Milliarden hier. Denen, die ich kenne tue ich Gutes. Manchmal. Wenn ich kann. Und will. Die, die ich nicht kenne, können mich mal. Und damit stehe ich immer noch besser da als all jene, deren Moralverständnis es ist, von anderen Dinge zu fordern, die sie selbst nicht tun. Die Asozialen stören mich nicht, es sind die Heuchler, die mich ankotzen.

Geschafft. Ich bin müde und muss bald schlafen. Hab noch ne Kaschemme mit Essen gefunden, das Steak schmeckt nach dem Fisch, der vorher in der Pfanne war. Die Kneipe ist leer bis auf ein Gruppe junger dicker Leute, die das Geburtstag ihrer dicken Freundin/Verwandten feiern. Sie hat sich feiertagsmäßig aufgebretzelt und trägt sogar eine Schärpe aus Glitzer-Silber mit goldenen Aufschrift. Sie singen cumpleanos tä tä, cumpleanos tä tä. Dann dreht der Wirt die Anlage auf, aber richtig, und lässt unglaublich schlechten spanischen Schmalz-Pop (¡Corazon!) laufen. Die Dicken tanzen. Ich bin glücklich, trinke aus, zahle, verschwinde in mein Hafenhotel und sinke dort ins Bett.

So jetzt aber, keiner ist hier um nur Gelaber zu lesen. Wo sind die Pics?!

Dann fang wa ma an hier. Ausgeschlafen. Karre gebongt. Tank is voll. Los geht’s.

Das La Gomera Strassensystem ist so: Die Insel ist ein einziger Fels, quasi unzugänglich. Es gibt ein paar Orte, die meist irgendwie am Meer oder in der Nähe liegen, die aber keine Strasse verbindet aufgrund der Inselstruktur. Man fährt also immer hoch, da oben gibt’s ne Strasse, von der fährt man runter, je nachdem wo man hin will. Biste oben, kannste runter gucken. Das machen wir mal.
Die Hauptstadt, San Sebastian. Putzig, oder? Überm Meer Teneriffa mit dem Teide. Der höchste Berg Spaniens. Kann nur empfehlen da mal rauf zu fahren. Spektakulär. Und dann wieder runter und auf ne andere Insel.
Das war wohl mal ein Restaurant. Toller Ausblick. Am Arsch. Wie so vieles. Zum Glück bin ich kein Pessimist.
Hatte schon ganz vergessen wie schön es hier ist. Je höher man kommt, desto grüner wird’s.
The rock on the top.
Durch die berühmten gomerischen Nebelwälder gebrettert…
and down to the sea again
Angekommen. Da wo die Dose steht, bin ich. Spanische Beton Gran Via am Felsenstrand. Aber come on, so nahe am Meer muss man auch erst mal wohnen und das ohne stressige Nachbarschaft.
Shit, muss noch einkaufen. Also wieder hoch.
Und wieder runter. Das Valle Gran Rey. Da wo die Hippies früher wohnten. Oder es immer noch tun. Solange die Kohle aus der Heimat kommt.
Zurück am Meer
Bissl den Spaniern beim Planschen zugucken. Wenn sie zurücklaufen haben sie ne Maske auf.
Die Senoritas waren auch mal attraktiver.
Obligatorischer sunset
good night and good luck
Das ist der eigentliche Ort Alojera. Es gibt einen Supermarkt, der so groß ist wie mein Wohnzimmer und zwei Kneipen. Die sind tatsächlich immer besucht und die Gäste parken die Autos auf der Strasse, so dass man gerade noch vorbeikommt. Laufen tut hier keiner, ist alles steil. Wenn Jorge nach 5 Bier und 3 Kurzen dann nach hause düst, juckt das aber wohl auch niemanden.
Der Supermarkt. Milch, Kaffee, Wasser, Bier. Alles da, was man braucht.
Da unten wohne ich. Ein Foto wäre nicht schlecht. Muss nur an den Rand der Klippe.
Uiuiuiuiui, wieso is hier nix zum festhalten? Einen Schritt noch vielleicht?
Na also, geht doch, jetzt nix wie zurück auf festen Boden. But ain´t that nice? Sauschwer hinzukommen, quasi ein Tagesausflug über Horror-Serpentinen, es gibt nix außer ein Restaurant, das aufmacht wenn es lustig ist – dafür aber doppelt so teuer wie woanders und die paar Meter beach bestehen aus Steinen, wo einem nach 20 Minuten der Arsch wehtut. Perfect for me!
Die letzten Meter werden gelaufen, ächz
Home, sweet home. Da will ich mal nicht meckern.
Auch wenn ich erstmal den Kollegen hier aus dem Wäschesack entsorgen musste
Na ihr hübschen Püppschen, auch hier für den Sunset?

But now: look at this! Bisher war der Kram banal, kann jeder machen, der hier durch die Pampa fährt und vom fotografieren mehr versteht als Selfies für Insta zu schießen. DAS hier ist aber die Milchstrasse. Yes! The fucking milkyway!!!!! Unsere Galaxie! DIE kann man nur fotografieren wenn alles passt. Equipment, Ort, Zeit, eine klare Nacht und den Durchblick, was man an seiner Kamera einstellen muss. Hat alles gepasst, endlich. Schon mehrmals versucht, nie gelungen.

Keine lightpollution, das richtige Objektiv, teuer erworben, um die halbe Welt geschleppt und die Nacht ist verdammt klar. Hurra!

Gerade fällt mir auch nix mehr ein, es ist heiß hier und in D ist es kalt. Hab schon gehört das liege am climatechange. Haha! Von heiß und trocken auf kalt und nass. Wahrscheinlich erklärt man bald, dass die Pole zufrieren und der Meeresspiegel sinkt. Und die verdammten Gletscher bis unter den Balkon kommen.

Natürlich hab ich noch ein paar shots im Speicher, die stelle ich unten ein. Vielleicht kommentiere ich die später oder auch nicht, man kann ja auch mal das Maul halten.

Wobei, Schluss mit maulhalten, jesusfuckingchrist! Was macht ihr nur mit euren Kindern?!
Was treibt Menschen dazu hier im bumblefuckingnowhere, wo der Wind bläst und keine Sau in der Nähe ist, sich und seine Familie unter diese Luftabschneider und Gesichtsverhüller zu zwingen? Ist es der alte Fascho-Gehorsam? Die panische Angst, die die Medien verbreiten? Die schiere Dummheit? Ich begreife das einfach nicht. Hier gibt’s nicht mal irgendwelche Bullen, die dir Gesundheit einknüppeln. Es beschwert sich niemand wenn du oben ohne rumrennst. Erfahrung, mache ich seit Day 1. Also was verdammtnochmal ist los mit den Leuten?

Fuck it. Ich komm schlecht drauf. Dazu bin ich net hier.

Next.

Ha, der Rock ohne Nebel. Hat auch was. Hm, wenn ich mir den shot so angucke, sehe ich definitiv ein Phallussymbol. Ich zeig´s trotzdem. Will aber echt damit keine Gefühle von Frauen verletzen, schwöre. Ich kann nix dafür, der ist hier so gewachsen. Vielleicht finde ich noch einen Vulva-Rock. Wäre mir eh lieber, bin ja nicht schwul. Schätze, ich bin hoffnungslos politisch unkorrekt, sexistisch, alt und weiß und meine Vorfahren hatten Sklaven im Keller.
Ob das noch lange gut geht?
Das freigegebene Überholen hab ich hier mal ignoriert und bin brav weiter hinter dem Punto hergeschneckt.
Ich weiss, seen before, aber doch immer wieder schön.
Isn’t that amazing?
Hab ich schon mal erzählt, dass ich Palmen liebe? Das hat praktische Gründe.
goodnight for today

Einen habbichnoch:

Mittlerweile ist es Sunday morning. Morgen muss ich hier weg, seufz. Er ist so geil dieser Ort aber man will auch noch was anderes sehen. Bin ja net zum Vergnügen hier. Habe noch 4 Tage ein „Ferienhaus mit sensationeller Aussicht“ gebucht. Schaun mer mal. Geschwind in den Kühlschrank gucken. Doppelseufz. Verkalkuliert. Nix mehr zu essen drin außer bissl Schinken und, was viel wichtiger ist, nix mehr zu trinken außer bissl Wasser. Bei Hitze soll man ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. Der nächste große Supermarkt ist locker 1 einhalb Stunden weg. One way.

Da erinnere ich mich an eine Bewertung zu dem Appartement hier, wo einer schrieb, es sei mal eine ganz besondere Erfahrung gewesen, dass man nicht alles gleich verfügbar habe und das würde zum Nachdenken anregen in unserer Konsumgesellschaft. So ein Schwachsinn. Würde mich mal interessieren ob er aufgrund seiner spirituellen Urlaubs-Erfahrung, nun zuhause, sein Handy weggeschmissen hat, den Job in der Agentur kündigte, sein Auto verschenkte, aus seinem renovierten Altbau auszog und nun im Wald Wurzeln frisst, Urlaub am Baggersee.

Nichtsdestotrotz habe ich das gleiche Problem wie diese Pussy. Ich brauch nen Supermarkt und der ist weit weg. Erst mal noch n Kaffee. Die Chancen sonntags einen offenen Shop zu finden, schwinden. Die Begeisterung, über die Aussicht nach anderthalb Stunden Serpentingegurke vor geschlossenen Türen zu stehen, hält sich in Grenzen. Gut, es gibt ja noch den Wohnzimmersupermarkt im Pueblo – aber Sonntags um nunmehr 14 Uhr? Hilft nix, muss ich eh vorbei und notfalls tut es eine Tanke. Die so ziemlich genau ebenfalls anderthalb Stunden weit weg ist.

Wie zu erwarten sind die Türen des Mini-Marktes verschlossen. Dieser aber ist mit einer der zwei local Kneipen hier verbunden und die hat offen. Also ich rein in die Kneipe und erklärt, dass ich eigentlich einkaufen will. Jetzt helfen die paar Brocken Spanisch. Und mein Verständnis für Dialekte. Denn eigentlich versteht man hier kein Wort, selbst wenn man der Sprache mächtig ist. Der Kanare ist maulfaul. Liegt wohl an der Hitze. „emimo“ z.B. bedeutet „el mismo“, muss man erst mal drauf kommen aber wie gesagt, da bin ich Profi. Zumal die Senorita mir überhaupt nicht antwortet sondern mich mit einem Kopfnicken hinter den Tresen bittet, wo ein Durchgang zum Supermärktle ist. Hurra, ich bin drin! Ich kaufe meine Getränke, etwas Brot, zu Essen gibt’s hier sonst nicht wirklich etwas. Aber Wurscht, ich hab ja noch Wurst. Und vielleicht fange ich ja später noch einen Fisch. Kleiner Scherz.

Da ich jetzt entspannt bin gönne ich mir noch einen Carajillo und guck die Leute an. Hatte ich zuvor etwas von Jorge geschrieben, mit seinen 5 Bier und 3 Kurzen? Die hat er um 14.00 schon drin als er aus dem Auto steigt und zur Kneipe wankt. Immerhin mit Mundschutz auf der leeren Strasse, in der Kneipe braucht man den nicht, also runter damit und ein Bier bestellt. Bei kanarischer Maulfaulheit plus zwo Promille versagt der Profi. Ich verstehe kein Wort von dem, was Jorge sagt. Aber er schwätzt ja nicht mit mir, macht also nix. Austrinken, wieder runter fahren, fertig. Die Angelegenheit hat inklusive Carajillo gerade mal 20 Minuten gedauert. Jetzt sitze ich wieder am Meer, trinke frisches Bier und mache mir Gedanken über unsere Konsumgesellschaft. Echt Scheiße, die.

Sonntags geschlossen
Hinter dem Las Frutas Schild ist der Eingang zum Supermarkt. Ausser Sonntags. Da ist geschlossen. Da kommt man nur durch die Kneipe rein. Die aber auch Sonntags geschlossen ist, außer wenn sie auf hat.
Natürlich hab ich nachts noch mal die Kamera gezückt, weil´s halt so schee is.
„Out there in the perimeter there are no stars, out there we are stoned immaculate“ Well Jimbo, that’s not true, there is a billion of stars.
Noch ein wenig Licht-Spiel-Schnick-Schnack, nun ja

So now, let´s geht the fuck outa here, verlassen wir das Nest, kein Meer mehr. Zumindest net vor der Haustüre. Von Alojera geht’s jetzt nach Alajero. Muss man sich schon nicht so viele Namen merken.

Ein letzter Blick rüber nach La Palma. Da fällt mir ein, vor gerade mal ein paar Monaten stand ich da und hab nach hier geguckt, jetzt stehe ich hier und guck nach da. Dazwischen stehen ein paar tausend Flugmeilen und ein paar Kilometer Meer. Die Frage ist: Bin ich nun weit gekommen?

Schattenparker!

Ich glaube, ich habe auf der Insel keine Strasse gefunden, wo es mal länger als 100 Meter gerade aus geht. Hoch, runter, rechts, links, ein ständiges Herumgegurke. Macht schon Spaß, manchmal nervt es. Außerdem verschüttet man ständig das Bier. Wenn so ein Gomerer mal auf der A5 fahren müsste, hätte der ein echtes Problem. In meinem Auto blinkt das display schon ne Weile, ich ignoriere das mal, fährt ja noch. Und ich habe ganz sicher keine Lust jetzt mit Avis herumzudiskutieren.

Erinnert ihr euch? Ich habe ein Haus mit „sensationeller Aussicht“ gebucht. Die sieht gerade so aus:

Na gut, gestern war’s etwas nicer. Hier ist es höher und kälter. Musste schon ein T-shirt anziehen. Andere Seite der Insel nun. Kein Sunset mehr sondern Sunrise. Ich fürchte nur, den werde ich net dokumentieren.

Langsam isses gut mit La Gomera, aber machen wir den Sack halt noch voll und erkunden die Gegend.

Schon lange kein Teide mehr gesehen
Der Playa Dingsbums. Nix los hier weil steinig, wenig attraktiv für die Reichen und Schönen. Auch nicht fürs Partyvolk aus Bottrop-Rauxel oder den Engländer aus Manchester. Der ist ja schon überfordert halbwegs nüchtern in die Ryanair nach Malle zu steigen, zu Gomera fällt nach Flug zusätzlich die Fähre an. No bloudi faggin waiy. Good for me, ich brauch die alle net. Die Zeiten von Love & Peace sind hier sicher vorbei, Peace jedoch, ist geblieben.
Hoppla, da kommt ja noch ein Golfplatz. Also doch reich und schön. Das airportle ist in der Nähe. Praktisch für den Jefe mit Jet. Wahnsinn was das für ein Aufwand sein muss, den in Schuss zu halten.
Normal sieht’s hier nämlich so aus.
Jetzt gehn wa noch ma ans Meer. Wenn ich ein Mehr seh, brauch ich kein See mehr. Den Spruch muss ich endlich mal anbringen.
Zwei Mädels die angeln. Sieht man nicht oft, but the times are a changing, right? Immerhin fair und gleichberechtigt hier, gefangen haben die nämlich auch nix.
Das wird nix mehr, lass ma´s gut sein. Ich hab nen Fisch gekauft. Time for a beer.

Und dann heut morgen um 7: BÄNG, BÄNG, BÄNG. Quasi vor meinem Schlafzimmerfenster zünden die ein Feuerwerk in aller Herrgottsfrühe. WTF?! Bim, Bim, Bim, das Kirchenglöckle geht wie verrückt. Was ist denn hier los? Eine Hochzeit wird’s wohl kaum sein. Maria und Juanita ziehen doch längst in Madrid durch die Clubs und werden kaum den verbliebenen Ziegenhirt-Sohnemann von Cousin und Cousine ehelichen. Eher wohl die andere Geschichte für die man einen Pfaffen braucht. Ich werde es nie erfahren, allerdings bin ich nun wach. Dann kann ich mich auch gleich in die Karre hocken und ums Eck fahren, wo der Ausblick ein wenig sensationeller ist und eventuell der Sonne beim Aufsteigen zugucken. Also doch Sunrise. Gähn.

Hier ist ein guter Ort, ein mickriges Weingut mit dicker Hazienda, Lieferwagen und Pickup vor der Tür. Mit den paar Litern, die er dem Boden abpresst, hat der das net erwirtschaftet. Aber man kann ja noch mit anderen Dingen handeln.

Plus einem Dobermann, der die Trauben bewacht. Und seinen Job tut und mich wie verrückt anbellt. Ich hoffe nur, dass es kein Schlupfloch im Zaun gibt, sicherheitshalber präpariere ich mein Auto für eine schnelle Flucht.

Now let the show begin

Nice. Jetzt zurück zum Kaffee.

Gehen wir nachher noch in die Kirche? Ah, naja, weisst du, also, hm, gerade echt blöd und so. Eher morgen, vielleicht.
Das ist der Feuerwerksort. Da hinten wohne ich, da wo gerade einer ins Schlafzimmerfenster steigt.

Gestern ist hier einer rumgefahren und hat gehupt. Ich hatte gelesen, dass das ein Fischverkäufer macht, der so die Dörfer abklappert. Ich glaube es waren die Gomeraner, die so eine Pfeif-Sprache hatten. So ein fast ausgestorbenes Idiom, wobei jeder Etno nen Harten kriegt. Vor Handy und Internet war es ratsam, sich auf diesem unwegsamen Gebiet irgendwie über Entfernung verständigen zu können. Rauchzeichen sind schlecht, dabei fackelt man jedesmal die halbe Insel ab. Insofern nicht blöd, die Pfeifferei. Heute wird halt gehupt. 3mal Hupen bedeutet: es gibt Fisch. 4mal: heut ist er sogar frisch. 5-8mal: das letzte Bier bei Pepe hätt ich lieber lassen sollen. Die Konsum-Kapitalismus-Kritiker finden das sicher voll shice und die Pfeiferei doch so indigen und öko. Frag mal den Gomerer ob er es früher besser fand, 2mal Pfeifen: kommst noch rüber heut? 3mal: für deinen lausigen Wein kraxel ich net mehr 3 Stunden die Felsen hoch – oder heute, ne WhatsApp, dann ins Auto und in 5 Minuten hoch zur Bar bei Pepe.

Strange Nachttisch Lamps on my Nachttisch

Time to leave. Was hier so wächst. Dick und voller Stacheln. Unwegsam und unschön. Eigentlich sagt alles auf der Insel: You are not welcomed. Wie das wohl war vor ein paar Hundert Jahren als die ersten Spanier anrückten. Mühsam müssen sie sich über Steine, Felsen, Kakteen und und Wälder tage- und wochenlang bemüht haben um dann, ja was?, zu finden. El Dorado sicher nicht aber man nimmt halt mal mit, was man bekommen kann. Der spanische König sagte, erschließt das mal, was kümmert mich euer Mühsal. Am End war’s dann ein guter Stützpunkt für die Anfahrt zu den neuen Kolonien overseas. Und ein warmes Plätzchen für die ersten Touristen von der gelangweilten Blaublüterfamily

Kein schöner Tag heute, jetzt fängt´s auch noch zu regnen an. Dafür bin ich nicht hier. Sauerei. Ich will mein Geld zurück!

Runter ans Meer, über Kiesel, schwarzen Sand und rein gehüpft. Das Wasser ist angenehm und umspült dich weich und mächtig.
Mülltonnen mit Aussicht.
Bushalte mit Aussicht
This world right now is so fucking crazy, first there ist the story about the virus, second there is religion.
What do you believe?
I believe, I´ll have a beer and then I leave.

Das war´s dann also. Ich schreib noch meine übliche Postkarte: „The weather is here, I wish you were beautiful“. Sachen gepackt, Wecker gestellt, Kaffe overdose und runter zum Hafen.

Aber einen habbich noch:

Ein Abschieds-Schuss von dem Burschi hier, mit auf Wolken Gucken
Der darf natürlich auch nicht fehlen
Wolken von unten. Braucht kein Mensch.
Fähren battle in dem winzigen Hafen. Warum da zwei verschiedene die selbe Strecke zur gleichen Zeit fahren, musst du die Spanier fragen.

Adiós compañeros